Denn sie wissen nicht, was sie tun.


Die COVID-19-Pandemie verändert gerade unser aller Leben – darin liegt ein riesiges, positives Potenzial, allerdings hat der (in meinen Augen höchst zweifelhafe*) Umgang der politischen Entscheidungsträger damit auch äußerst negative Seiten. Besonders hart trifft es diejenigen, die als freischaffende Künstler mit ohnehin sehr übersichtlichem Einkommen nun vor der Frage stehen, wie sie (wenn sie nicht ohnehin schon aufgeben mussten) während des mittlerweile 2. Shutdowns ihren Lebensunterhalt verdienen sollen, wenn keinerlei Kultur mehr stattfindet. Ich bin der festen Überzeugung: Kultur muss überleben, das Leben ohne Kultur ist keines.

Warum?

…halte ich den Kultur-Shutdown für so unfair und sinnfrei? Schmerzhaft war das Ganze schon während der ersten Welle der Pandemie, klar. Bereits damals wurde breit über eine drohende zweite Welle diskutiert. Nun hat man den Eindruck, diese wäre völlig überraschend über uns alle hereingebrochen. Dem ist aber ganz offensichtlich nicht so. Vorbereitet hat sich unter anderm die Kultur, und damit meine ich alle Einrichtungen: Kinos, Theater, Veranstalter, Restaurants, Bars, Kneipen. Es wurden Hygienekonzepte erstellt, deren Umsetzung unglaublich viel Geld gekostet hat – und die auch funktioniert haben.

Was passiert nun gerade? Es wird argumentiert, dass Veranstaltungen, Menschenansammlungen u. dgl. wegen der hohen Inzidenzzahlen so nicht mehr stattfinden können. Mantraartig. Auf die Argumentation mit den funktionierenden Hygienekonzepten wird schlichtweg nicht eingegangen, es werden stets die gleichen Sätze wiederholt, die aber die offenbleibenden Fragen nicht beantworten.

Unsere Regierung ist ganz offenbar überfordert. Und sie muss handeln, das ist sie ihren Wählern und auch Nichtwählern schlichtweg schuldig. Schön und clever wäre gewesen, sich während des letzten halben Jahres auf eine mögliche zweite Welle vorzubereiten und Konzepte zu entwickeln, die einen weiteren Lockdown überflüssig machen. Warum man sich nicht logistisch und finanziell auf breit angelegte Massentests vorbereitet hat, wird nicht erklärt. Ich vermisse auch die laut gestellte Frage danach, weswegen nicht konsequent und massiv getestet wird, um die Menschen, die das Virus in sich tragen, gezielt in Quarantäne schicken und so Ansteckungen und exponentielle Ausbreitung zumindest stark eindämmen zu können. Möglicherweise hätte diese Investition das erneute Bereitstellen von Unsummen zur Rettung von Unternehmen und Soloselbstständigen überflüssig gemacht. Zumindest wäre aber nicht der Eindruck entstanden, der unter den Scheuklappen finanzieller Lobby-Interessen nun mindestens billigend in Kauf genommen wird: Das Kulturzeug ist doch Garnitur, darauf können wir am ehesten verzichten.

Kultur als Opfergabe

So muss der Eindruck entstehen, dass eben ein symbolisches Opfer gebracht werden muss, um möglichst plakativ größtmögliche Entschlossenheit zu demonstrieren – klar, alles andere sähe wohl nach Untätigkeit aus und dass Politik genauso nur von und mit effektivster PR funktioniert, ist nichts neues. Unter dem Verdacht der Zögerlichkeit zu stehen erscheint durch die PR-Brille gar nicht gut in Anbetracht der näherrückenden Kanzlerdämmerung in Verbindung mit Kanzlerinnen-Nachfolge-Balzritualen und der bald anstehenden Bundestagswahlen.

Während es in der Fußball-Bundesliga möglich ist, die Protagonisten regelmäßig zu testen, sodass König Fußball, wenn auch in leeren Stadien, zelebriert werden kann, ist dies woanders nicht möglich. Autos kaufen geht glücklicherweise auch noch, denn der kauf des neuen SUV gilt als patriotisch-systemrelevante Handlung. Und dann muss ich latent melancholisch daran denken, dass die Kulturwirtschaft insgesamt in Deutschland eine der umsatzstärksten Branchen überhaupt darstellt. Umsomehr ist dieses verzweifelte Tun in meinen Augen eine absonderliche Antithese zum Begriff „Systemrelevanz“. Ach ja, und dann war da noch irgendwas mit dem sogenannten Land der Dichter und Denker. Grübel-Smiley. Da fällt mir nichts mehr ein, außer als Künstler diesem Irrsin in Verbindung mit meiner Wut auf diese unglaublich realitätsfernen, der selbstverschuldeten Überforderung zuzurechnenden Anordnung eines erneuten Kultur-Shutdowns deutlichen Ausdruck zu verleihen – und dem auch einen Sinn zu verleihen.

Die Kreuzigung der Kunst

Aus Protest gegen den bereits zweiten, in meinen Augen unfairen, ungerechtfertigten* Kultur-Shutdown habe ich vor zwei Wochen vor dem Haupteingang des Zwickauer Rathauses symbolisch die Kunst gekreuzigt und das ganze fotografiert. Die entstandenen Fotos kannst, darfst & sollst du hier kaufen.

Bilder kaufen und freie Kulturschaffende unterstützen

Ziel der Aktion ist die Teilnahme an der Spendenaktion von betterplace.org, um freischaffenden, also nicht festangestellten Theaterschaffenden eine Soforthilfe von 500 EUR pro Person bereitstellen zu können. Den kompletten Gewinn aus dem Bilderverkauf werde ich als Spende an betterplace.org weitergeben. Alle Mitwirkenden haben unentgeltlich gearbeitet und auch ich selbst verdiene an den Bildern nichts. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und Spendensumme ergibt sich aus den jeweiligen Herstellungs- und Versandkosten. Bei Bedarf kann die Kalkulation bei mir eingesehen werden.

Hier kannst du Kreuzigungs-Bilder kaufen und freie Kulturschaffende unterstützen.

© André Leischner

* Leider nötig: Ich distanziere mich ausdrücklich von jedweder „Querdenker“-Organisation, von Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und sonstigen mehr oder weniger populistischen Organisationen und/oder Individuen, die sich anhand der derzeitigen Situation mit demagogischen Mitteln leider mehr und mehr zu profilieren versuchen. Weder ist meine Protestaktion eine Bestätigung für euch oder eure „Sache“, noch gehöre ich in irgendeiner Form zu euch.